Das Krankheitsbild aus Sicht der Chinesischen Medizin (TCM)

Polyneuropathie (PNP)

Diagnose und Therapie

Unter den Neurologen herrscht die Meinung vor, dass es eine wirkliche Therapie nicht gibt, mit deren Hilfe der Krankheitsprozess rückgängig gemacht oder auch nur aufgehalten werden könnte. Man beschränkt sich darauf, den Zuckerspiegel zu regulieren und mit der Verabreichung von Vitaminen, Schmerzmitteln und Psychopharmaka Linderung zu verschaffen. Auch Cortison (Entzündungsblocker) und Zytostatika (Krebsmittel) werden gelegentlich eingesetzt.
Die chinesische Medizin bietet mit ihrem Verständnis der Krankheit und ihren Methoden einen Therapieweg mit erstaunlichen Resultaten. Die zentrale Behandlungsmethode ist die chinesische Arzneitherapie. Ihre verantwortungsvolle Anwendung erfordert einerseits einen Krankheitsbefund, der den Grundlagen moderner Medizin gemäß erhoben worden ist. Andererseits muss aber auch eine Diagnose nach den Regeln der chinesischen Medizin gestellt werden, damit man sich ein Bild vom individuellen Krankheitsgeschehen machen kann. Denn die chinesischen Rezepturen bestehen aus einer Zusammenstellung von Arzneidrogen, die auf den Einzelfall hin entworfen und dem jeweiligen Therapieverlauf gemäß abgewandelt wird.

Polyneuropathie aus Sicht der chinesischen Medizin

Die chinesische Arzneitherapie der Polyneuropathie fußt auf einem bestimmten Krankheitsverständnis. Dieses gewinnen wir nicht, indem wir uns von der modernen Medizin des Westens absetzen, sondern indem wir deren Einsichten in einem erweiterten Horizont koordinieren. Leitend dabei ist, im Fall der Polyneuropathie, der chinesische Begriff des "Tan". Tan lässt sich mit "Schleim", englisch "phlegm" übersetzen. Der Begriff umfasst alle unerwünschten Substanzen, die sich auf Dauer den Klärungs- und Ausscheidungsaktivitäten des Körpers entziehen. Sie haben die Tendenz, sich im Alter anzuhäufen, in die unteren Körperpartien abzusinken und sich an Gewebestrukturen oder Kapillarwänden anzulagern. Auch besitzen sie laut chinesischem Begriff die Neigung, ein entzündliches, gewebeschädigendes Potential zu entwickeln. Da sie die Mikrozirkulation im Gewebe beeinträchtigen und damit dessen Versorgung und Entsorgung behindern, liegt hier ein sich selbst verstärkender Prozess vor. Hat die "Verschleimung" einmal begonnen, unterhält sie sich sozusagen selbst ("Autokatalyse").
Dieser Auffassung vom Erkrankungsvorgang entspricht, dass es sich bei der Polyneuropathie typischerweise um eine Krankheit des höheren Lebensalters handelt. Offen ist die Frage, was die biochemischen Substrate seien, die nach chinesischem Verständnis allgemein "Tan" genannt werden. Deren Identifizierung bleibt der zukünftigen Forschung vorbehalten. Sie wird bei den Ursachen ansetzen müssen, die als gesichert gelten dürfen: Zuckerkrankheit, Toxinbelastungen und Paraproteine. Es gibt gute Gründe für die Annahme, dass es sich bei den biochemischen Substraten um Eiweiß-Moleküle oder deren Fragmente handelt. In Frage kommen zirkulierender "Immunabfall" aus Alltagsentzündungen oder Überreste aus Gewebemauserungen; aber auch an körpereigene Proteinmoleküle ist zu denken, die durch Bindung giftiger Stoffe für das Immunsystem auffällig geworden sind und von ihm als Fremdkörper behandelt werden Mit Sicherheit gehören Paraproteine zu den in Frage kommenden Stoffen. ("Paraproteine" sind funktionsuntüchtige Immun-Eiweiße, die bei bestimmten Krankheiten der weißen Blutkörperchen im Übermaß produziert werden.)
Mit Hilfe der chinesischen Arzneirezepturen gelingt es ganz offensichtlich, diese entzündlichen Konglomerate aufzulösen, in die Zirkulation zu überführen und über geeignete Schleimhautventile auszuscheiden. So lassen sich in der Phase der Besserung einzelner Symptome der Polyneuropathie auffällige Veränderungen der Ausscheidungen und andere vegetative Zeichen beobachten, die auf stoffliche Entlastungsvorgänge hinweisen. Die Chinesische Medizin spricht von der "Mobilisierung, Umwandlung und Ausscheidung von Tan".
Dieser Heilungsprozess lässt sich durch Akupunktur und vielfältige physiotherapeutische Verfahren unterstützen. Allein eingesetzt, haben solche äußeren Behandlungen nicht annähernd die Wirkung, die sie in Kombination mit der chinesischen Arzneitherapie entfalten können. Deren Kunst besteht, auf eine kurze Formel gebracht, darin, die für diese Krankheit entworfenen Basisrezepturen passend zu modifizieren. Sie müssen an den einzelnen Patienten und an den individuellen Therapieverlauf immer wieder von neuem angepasst werden. Ziel ist es, den Organismus zu Heilreaktionen zu provozieren, ohne ihn dabei zu überfordern.